Caliban
für Zuschauer ab 8 Jahren
nach Motiven aus dem „Sturm“ von William Shakespeare von Lee Beagley und dem Ensemble.
Regie: Lee Beagley.
Bühne und Kostüme: Heike Neugebauer.
Mit: Svea M. Auerbach, Tim D. Lee, Erik Roßbander,
Petra-Janina Schultz, Markus Seuß, Janina Zamani.
Ein Kreuzfahrtschiff gerät in einen Sturm, vier Passagiere gehen über Bord und stranden auf einer einsamen Insel. Dort haben sich der halbwilde Junge Caliban und ein geisterhaftes Wesen namens Ariel ihr eigenes Reich geschaffen. Über der Insel weht ein seltsamer Zauber, der jeden der Gestrandeten mit seinen eigenen Ängsten und Wünschen wie in einem magischen Spiegel konfrontiert. Auch Caliban und Ariel treiben mit den Schiffbrüchigen ihre Späße und beschwören die Geschichte von Calibans Mutter, der Hexe Sykorax. Am nächsten Tag werden die Vier von einem sehr modernen Zauber gerettet, doch ihr Leben hat sich für immer verändert.
Spielort: Concordia, Schwachhauser Heerstr. 17
Vorstellungen:
Freitag 26. November um 19.30 Uhr Premiere
Montag 29. November um 10.00 Uhr (Gruppentarif ab 10 Personen)
Dienstag 30. November um 10.00 Uhr (Gruppentarif ab 10 Personen)
Mittwoch 1. Dezember um 18.00 Uhr
Montag 6. Dezember um 10.00 Uhr (Gruppentarif ab 10 Personen)
Dienstag 7. Dezember um 10.00 Uhr (Gruppentarif ab 10 Personen)
Mittwoch 8. Dezember um 10.00 Uhr (Gruppentarif ab 10 Personen)
Sonntag12. Dezember um 16.00 Uhr
Montag 13. Dezember um 10.00 Uhr (Gruppentarif ab 10 Personen)
Dienstag 14. Dezember um 10.00 Uhr (Gruppentarif ab 10 Personen)
Mittwoch 15. Dezember um 10.00 Uhr (Gruppentarif ab 10 Personen)
Sonntag 19. Dezember um 11.00 Uhr
Montag 20. Dezember um 10.00 Uhr (Gruppentarif ab 10 Personen)
Dienstag 21. Dezember um 10.00 Uhr (Gruppentarif ab 10 Personen)
Mittwoch 22. Dezember um 10.00 Uhr (Gruppentarif ab 10 Personen)
Der Einheitspreis für alle Vorstellungen beträgt 9,- Euro pro Person.
An bestimmten Terminen (siehe oben) erhalten Gruppen ab 10 Personen eine Ermäßigung von jeweils 2,- Euro pro Karte.
Pressestimmen
Traumort mit Terroristen und Touristen
Grundhumanistische „Sturm“-Paraphrase: Lee Beagleys Weihnachtsmärchen an der bremer shakespeare company
Schon Beagleys In-einander-Blenden zweier Römertragödien im vergangenen Jahr zeigte seinen nonchalanten Umgang mit dem Über-S. des Theaters. Mit „Caliban“ zeigt er, dass das Theater Kinder und Jugendliche kaum ernster nehmen kann, als genau die Mittel zu benutzen, die in den Abendvorstellungen für Erwachsene auch funktionieren.
Schauspieler fungieren zugleich als Musiker, auf Auf- und Abtritte wird verzichtet, Mikrofone werden nicht versteckt, sondern in der Hand gehalten, Bühnenillusionen werden offen gelegt. Etwa wenn eine Minidiskokugel vor eine Taschenlampe gehalten wird. Oder wenn die Säcke, aus denen der Strandsand auf die Bühne klatschte, den Rest der knapp 90 Minuten offensichtlich leer an der Decke hängen. Luftgeist Ariel macht sich „unsichtbar“, indem er durch einen Rettungsring steigt. Wenige verrutschte Make-Up-Striche reichen, um einen Sturm zu erzählen. Für die Illusion – das können die jungen Besucher/innen gut gleich mal mit „lernen“ – braucht das Theater sich nicht (und von sich nichts) zu verstecken. Der souveräne Umgang mit Kulturtechniken ist gewiss nicht unwichtiger als die inhaltliche „Botschaft“!
Mit wenigen Worten wird aus dem Bühnenhaus am Bremer Bahndamm der Bauch eines Ozeanriesen. In dem beginnt das Kinderprogramm, unterbrochen von schwerer See und konkurrierenden Erzählungen – von der Zauberinsel.
Stellvertretend für eine Ozeanriesenbesatzung stranden hier Lady Miranda, ein in die Jahre gekommener Kinderstar, ein Navigationsoffizier, der seine Tochter ins Unglück heiraten sieht, und Drum und Bass, zwei Musiker, die eher aus Versehen im Kinderunterhaltungsprogramm der Reederei gelandet sind. Auf der Insel – hier: ein quadratischer Pool ohne Wasser inmitten der beiden Zuschauertribünen – sind vom Sturm-Personal nur der aus Dankbarkeit dienstbare Geist Ariel und sein Kumpel, Prosperos vormaliger Sklave und Ziehsohn Caliban, geblieben.
In zentralen Traumsequenzen werden die vier „Zivilisierten“ mit sich selbst konfrontiert, mit ihren Ängsten, Sorgen und, vor allem, Borniertheiten. Beagley und dem spielenden Company-Sextett gelingt es, in Heike Neugebauers Bühnenbild die großen Fragen nach Freundschaft, Respekt, Toleranz konkret durchzuspielen – und sie zugleich (und das ist „kindgerechter“, als es klingen mag) als wichtige, wirkliche Abstrakta durchzuspielen. So werden die Schiffbrüchigen zu Entdeckern der Möglichkeiten: Ihres eigenen Lebens nämlich.
Die Insel entpuppt sich nach zahlreichen spritzig-surrealen Episoden als sehr kunstvoller Traumort. Als Ort, an dem das Was-wäre-wenn gedacht werden kann. Das nennt man Fantasie.
Ein Hinweis zum Schluss: Erwachsene mit ausgeprägter Spinnenphobie sollten „Caliban“ nur an der Hand ihrer mutigen Kinder besuchen. (gekürzt)
Kreiszeitung, 29.11.10
Von Tim Schomacker
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