Shakespeare durch die Blume

Donnerstag, 20. April, 19.30 Uhr (Indoor-Premiere)
Mittwoch 24. Mai, 19.30 Uhr.

Kartenpreise: 21 € / erm. 13 €; ab 5 Personen 19 € / erm. 11 €.

Freitag, 16. Juni, 19.30 Uhr
Kartenpreise: 21 €/erm. 6,50 €; ab 5 Personen 19 €

Text/Dramaturgie: Christian Bergmann, Renate Heitmann, Markus Seuß. Regie: Christian Bergmann, Markus Seuß. Mit: Christian Bergmann, Tobias Dürr, Ulrike Knospe, Erika Spalke, Andrea zum Felde, Markus Seuß.

London, Sommer 1595. Die Karriere des aufstrebenden Jung-Autoren William Shakespeare ist ins Stocken geraten. Niemand will sein neues Stück über einen depressiven dänischen Prinzen finanzieren. Da bekommt er plötzlich einen skurrilen Auftrag: Zur Einweihung der neuen Gartenanlage von Queen Elisabeth I soll er ein Stück über Blumen, Kräuter, Gräser und Wälder schreiben. Zusammen mit seiner Schauspieltruppe um den Star und Frauenschwarm Richard Burbage durchforsten sie seine bisherigen Stücke. Dabei entdecken sie manche botanische Szene und florale Verse: da seufzt Romeo unter einem Berg-Ahorn, oder ist es eine Trauerweide - Sycamore-tree oder „sick amor tree“? Liebende besingen die Schönheit der Rose, Pater Lorenzo schwört auf die Kräfte der Natur, denn aus Kräutern destilliert er sowohl Gift als auch Medizin, ein ganzer Wald setzt sich in Bewegung und Birnen und Pflaumen bezeichnen nicht nur leckere Früchte…

„Im frischen Blatt des kleinen Blümchens hier
Steckt sowohl Gift als Lebenselexier.
Riecht man daran, belebt es alle Sinne
Und schmeckt man daran, hält gleich der Herzschlag inne.
In Menschen wie in Kräutern herrscht ein Krieg
Gewalt und Güte kämpfen um den Sieg.“

Als schließlich alles Pflanzliche abgegrast scheint und das Projekt zu scheitern droht, kommt mit Elfen, Hexen und Zauberei noch eine neue Kraft ins Spiel: Phantasie!

„Die Phantasie treibt Blüten, da entsteht
Mehr als die kühlere Vernunft versteht.“

Am Ende dieser Sommernacht hat Shakespeare nicht nur sein Stück über Pflanzen fertig gebracht, auch sein Held aus Dänemark bekommt eine zweite Chance.

Für „Shakespeare durch die Blume“ wurden Szenen und Lieder aus „Hamlet“, „Romeo und Julia“, „Macbeth“, „Ein Sommernachtstraum“, „Ende gut, alles gut“ uva. behutsam ausgegraben, miteinander gekreuzt, wieder eingepflanzt, gut gedüngt und regelmäßig gegossen. Gewachsen ist ein amüsanter, kurzweiliger Abend über die Mühen, Sorgen und Freuden des Theaterlebens zur Zeit von Burbage und Shakespeare, gespickt mit viele Zitaten.


Pressestimmen

Wer früher stirbt, quatscht nicht so viel

„Shakespeare durch die Blume“ zeigt sich bei der Premiere der Vorführung in der Shakespeare Company selbstironisch und gespickt mit aktuellen Bezügen.

Mit tosendem Applaus und schier nicht enden wollendem Fußgetrappel honorierte das Publikum am Donnerstagabend eine Vorführung der Shakespeare Company. Die hatte zuvor eine kleine Premiere auf die Bühne gebracht. Erstmals spielten die sechs Darsteller „Shakespeare durch die Blume“ mit einem Dach über ihren Köpfen.
Bisher gab es die Vorführung nämlich nur unter freiem Himmel zu sehen. Anlässlich des 111. Geburtstag des Botanischen Gartens im vergangenen Sommer wurde das für diesen Zweck konzipierte Stück ausschließlich dort sowie in Auszügen bei „Shakespeare im Park“ im Freien aufgeführt.
Freudig gestimmt und in großer Menge drängten sich die Zuschauer am Donnerstagabend durch das Foyer des Theaters am Leibnizplatz. Es erwartete sie ein freches, ja ironisches Stück, dem es an Bezügen zu aktuellen Themen nicht mangelte, obgleich das Geschehen im Sommer 1595 verortet wurde.

Wiederholt Grund zum Lachen
Damit bot es sowohl bei Zuschauern, die in Sachen Shakespeare bestens informiert sind, als auch Laien wiederholt Grund zum Lachen. Mitten im fünften Akt von Hamlet beginnt das Schauspiel. Laertes (Andrea Zum Felde) und Hamlet (Christian Bergmann) duellieren sich, Gertrude (Ulrike Knospe) stürzt vor ihrem Gatten Claudius (Tobias Dürr) vergiftet zu Boden und der Zuschauer ist für einen kurzen Moment überrascht, was es mit dem plötzlichen Einstieg auf sich hat.
Die Aufklärung folgt sogleich, denn aus Laertes, Gertrude und Co. werden plötzlich Wanderschauspieler, die aus ihren Rollen fallen. Die Monologe von Hamlet seien viel zu lang, monieren sie. Und ohnehin, das ganze Geschwafel, wer verstehe das schon? Fünf Stunden dauere die Vorstellung, das halte doch kein Zuschauer aus.
Im Nu folgt eine Kritik an sämtlichen Stücken Shakespeares. „Othello quasselt sich den Mund fusslig“, urteilt die Truppe harsch. Außerdem zeigen sich alle einig, dass die Stücke auf Deutsch statt auf Englisch, doch gleich viel verständlicher seien. „Let’s make theatre great again“ schreiben sie sich wenig später motiviert auf die Fahnen.

Letzte Chance für Shakespeare
Nur einer kann diese Kritik so gar nicht verstehen, William Shakespeare (Christian Bergmann), der so gerne auf jedem seiner Sätze beharren würde – wäre da nicht Geldgeber Lord Essex (Markus Seuss), der am längeren Hebel sitzt. Da hilft auch Williams Drohung „Kürzt du auch nur ein Wort, kannst du dir einen anderen suchen!“ nichts.
Lord Essex räumt ihm eine letzte Chance ein, sich zu beweisen. Bis zum nächsten Tag soll Shakespeare ein Stück über Blumen, Kräuter, Gräser und Wälder schreiben. Anlass sei die Einweihung der neuen Gartenanlage von Queen Elisabeth der Ersten. Ein „grünes Stück“ zu schreiben, wie es Lord Essex verlangte, scheint für den eigentlich so ambitionierten Shakespeare allerdings kein Leichtes zu sein. Über Menschen könne er fabulieren, doch über Pflanzen? Shakespeare tut sich sichtbar schwer. Gemeinsam mit seinem eifrigen Diener Puck (Andrea Zum Felde) sucht er Inspiration in botanischen Fachtexten und entschließt sich letztlich, seine eigenen Stücke auf der Suche nach „grünen Elementen“ durchzugehen.

Stück ist nach einem knappen Jahr wieder auf der Bühne
Es folgt eine Reise durch Shakespeares Werke, von Romeo und Julia (Erika Spalke) bis Macbeth. Nach und nach erwacht die Improvisationsfreude unter Shakespeares Wanderschauspielern, die vom gelegentlichen Nicken des eifrig mitschreibenden Künstlers angespornt oder von seiner kritischen Miene gemäßigt werden.
Erschöpft, aber glücklich, präsentieren Shakespeare und seine Truppe Lord Essex am nächsten Morgen das Ergebnis ihrer durchzechten Nacht. Ihr Auftraggeber liest mit wachsender Begeisterung, lacht herzlich und erfährt den Titel des Stücks: „Ein Sommernachtstraum“.
Dass die Company das Stück nach einem knappen Jahr wieder auf die Bühne bringt, ist kein Zufall, erläutert Schauspieler Markus Seuss, nachdem der tosende Applaus verebbt ist. Im Juni seien die Schauspieler beim Shakespeare-Festival in Neuss mit eben jenem Stück vertreten. Grund genug, um die Vorführung noch weitere Male vor Bremer Publikum zu zeigen.

Weser-Kurier, Samstag, 21. April 2017. Von Marie Lührs


Die Natur als Inspiration Elfen und ein verzweifelter Autor: Shakespeare durch die Blume

„Shakespeare durch die Blume“ feierte im vergangenen Sommer seine Open Air-Premiere im Bügerpark. Nun packte die Shakespeare-Company das Stück wieder aus und ließ den Theatersaalzum Wald-Wiesen-Blumen-Hain werden.

London im Sommer 1595. Der aufstrebende Jung-Autor William Shakespeare gerät in eine Schaffenskrise: Sein neues Stück über einen depressiven dänischen Prinzen findet keine Finanzierung. Stattdessen verlangen seine Geldgeber zur Einweihung einer neuen Gartenanlage für Queen Elisabeth I. von ihm ein heiteres Stück über Wälder, Blumen und Kräuter. Während Christian Bergmann durchgängig in der Rolle des William Shakespeare brilliert, schlüpfen seine Schauspielkolleginnen und -kollegen Ulrike Knospe, Erika Spalke, Andrea zum Felder sowie Markus Seuß und Tobias Dürr in mehrere Rollen. Sie stellen Shakespeares Schauspieltruppe und deren Marotten und Liebeleien dar, die wiederum zusammen mit dem Autoren dessen bisherige Werke auf der Suche nach „grünen Elementen“ durchforsten und sogar fündig werden. Blumige Szenen und Lieder mit botanischen Anspielungen aus „Hamlet“, „Romeo und Julia“, „Macbeth“, „Was ihr wollt“ und dem „Sommernachtstraum“ werden mit Witz, Charme und jeder Menge Anzüglichkeiten völlig neu durcheinandergemischt. Auch wechseln sich die Original-Verse mit moderner Alltagssprache ab. Heraus kommt ein kurzweiliges, höchst amüsantes Stück. Wenn man es botanisch umschreiben möchte, sollte man sich vor seinem geistigen Auge einen bunten Strauß aus Wiesenblumen, Orchideen, aber auch Wildkräutern und dornigen Rosen vorstellen. Schön und gefährlich zugleich. Vor allem für die Lachmuskeln.

Weser-Report, Sonntag, 22. April 2017. Von Britta Suhren


Auf fruchtbarem Boden

In Bremen erlebt „Shakespeare durch die Blume“ einen zweiten Frühling

„Shakespeare durch die Blume“? Gab’s doch schonmal, vergangenen Sommer in der Botanica! Stimmt schon, aber im Grunde war ein neues Stück am Leibnizplatz zu sehen. Christian Bergmann hat für die Indoor-Version mit Renate Heitmann eine neue Fassung geschrieben. Die kommt zum einen ohne Chor aus, legt dafür aber umso ausführlicher das Problem dar, um das es in dem kurzweiligen Stück geht.

William Shakespeare soll zur Einweihung der königlichen Gartenanlage von Königin Elisabeth I. ein „grünes“ Stück schreiben. Dabei hat er eigentlich ganz andere Sorgen. Mit seiner latent dysfunktionalen Schauspielertruppe plagt sich der Autor, Schauspieler und Theaterdirektor Shakespeare an seinem „Hamlet“ herum, nicht zuletzt, weil Lord Essex, Mäzen der Truppe, ständig eingreifen will, weil er – durchaus im Einklang mit den Schauspielern – den Monolog des depressiven Prinzen viel zu lang findet. Und dann gibt es auch noch den Konkurrenten: Christopher Marlowe. Schon allein sein Name verursacht bei dem Dichter heftige Kopfschmerzen.
Immerhin verschafft ihm der Stückauftrag ein bisschen Luft. Das Problem ist allerdings: Was in aller Welt ist ein grünes Theaterstück? Die Zeit drängt, schon am nächsten Tag soll Shakespeare liefern. Der Dramatiker zieht alle Register. Vom Selbstzitat bis hin zu neuen Spielformen bringt er so einiges in Anschlag, um den Auftrag zu erfüllen. Und natürlich klappt da zunächst einmal nichts. Zwar wird Shakespeare im eigenen Werk fündig – schließlich wird da beispielsweise mithilfe diverser Kräuter gezaubert, ein wandernder Wald spielt in „Macbeth“ bekanntlich eine wichtige Rolle, und in „Hamlet“ neigt „ein Weidenbaum übern Bach / Und zeigt im klaren Strom sein graues Laub, / Mit welchem sie phantastisch Kränze wand / Von Hahnfuß, Nesseln, Maßlieb, Purpurblumen.“ Überhaupt sollen in Shakespeares Werken mehr als 100 Pflanzen vorkommen, die, erklärt Bergmann im Programmheft, heute nicht selten dem dramaturgischen Rotstift zum Opfer fallen.
Allerdings ergeben allerlei Pflanzen natürlich nicht gleich ein Theaterstück. Und auch die Improvisationsversuche seiner Schauspieler helfen nicht weiter. Zum Glück gibt es Puckenious, der den Dichter inspiriert und antreibt – und es versteht sich, dass am Ende alles gut wird.
Während die Erstfassung von „Shakespeare durch die Blume“ vor floraler Kulisse mit der Kraft des Chorgesangs, tja, wuchern konnte, verlangt die überdachte Version nach einer ausgeklügelteren Dramaturgie.

Dass Shakespeares versammelte Werke einen fruchtbaren Nährboden abgeben, hat sich die Bremer Shakespeare Company schon in der Vergangenheit zunutze gemacht, man denke nur an „Shakespeare in Trouble“ oder auch „Ein Königreich für einen Ball“. „Shakespeare durch die Blume“ darf man getrost in diese Reihe stellen. Mit Ersterem hat es nicht zuletzt das clevere Spiel mit dem Theater im Theater im Theater gemein, mit Zweiterem einen mal klamaukigen, mal hintersinnigen Humor, in dem sich immer wieder Verweise in die Jetztzeit finden. Dieser Shakespeare jedenfalls will „this theatre great again“ machen. Diese eklektische Form ermöglicht ohne Weiteres lauter kleine Nebenhandlungen, die das durchweg fabelhafte Ensemble, zu dem neben Autor und Regisseur Christian Bergmann auch Co-Regisseur Markus Seuß, Tobias Dürr, Ulrike Knospe, Andrea zum Felde und Erika Spalke gehören, mit Tempo und viel Spielwitz auf den Punkt umsetzt. Und natürlich gibt es auch ausgiebige Zitate aus Shakespeare-Klassikern wie „Romeo und Julia“, „Macbeth“, – natürlich – „Hamlet“ sowie dem „Sommernachtstraum“ zu bewundern. Am Ende des eineinhalbstündigen Abends hat der gebeutelte Autor das „grüne Stück“ tatsächlich zuwege gebracht, sehr zum Wohlgefallen auch des Lord Essex: Es heißt „Ein Sommernachtstraum“.
Entstanden ist diese Neufassung von „Shakespeare durch die Blume“ übrigens nicht aus Jux und Dollerei: Das Neusser Shakespeare-Festival hat die Produktion eingeladen. Das Publikum in Neuss darf sich auf gute Unterhaltung freuen.

Kreiszeitung, Dienstag, 25. April 2017. Von Rolf Stein


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