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Ausgewählte bsc-Newsletter der aktuellen Spielzeit

10. April 2014
Liken Sie Shakespeare?

Like Shakespeare
Haben Sie ihn schon gesehen, unseren Geburtstagsgruß, den wir über Plakate und Flyer in der Stadt Bremen verteilen? Die beiden Staatsmänner Wladimir Putin und Barack Obama sitzen nebeneinander vor ihren jeweiligen Staatsflaggen, die  in Farbe und Muster trefflich miteinander harmonieren. Doch der Schein trügt: die fein abgestimmte Choreographie des Flaggenfaltenwurfs wird von dem von keinerlei Impulskontrolle geschönten Mienenspiel der beiden Protagonisten zunichte gemacht. Man sieht auf den ersten Blick, dass sie füreinander ein tiefsitzendes Gefühl der Abneigung hegen, das sich ganz ungebändigt von politischen Überzeugungen und rationalem Kalkül seinen Weg nach draußen bahnt, mitten auf die Bühne ihrer Körpersprache. Ist das ernüchternd, alarmierend oder beruhigend, dass diese beiden Menschen, die soviel in der Welt bewegen und in jedem Moment ihres Lebens wissen sollten, dass die Augen der Welt auf sie schauen, plötzlich, wie bewusstlos, die Masken der Selbstkontrolle fallen lassen?
Was auch immer - wir wissen um solche Momente. Wir wissen um sie, weil wir die sie von William Shakespeares Dramen her kennen, denn die führen uns immer wieder hinter die schäbigen Kulissen der Erhabenheit von Königen, Geistlichen, Prinzen und Helden. Diese entlarvende kleine Szene zwischen den Herren Obama und Putin ist genau wie bei Shakespeare - like Shakespeare.
Und weil wir dieses Wissen, diese Menschen-Erkenntnis lieben, lieben wir auch Shakespeare - like Shakespeare!


27. März 2014
Des ganz normalen Wahnsinns fette Beute

Beute fett, fetter, am fettesten.
Menschen mit tatsächlicher oder imaginärer Krone auf dem Kopf, scheinen schon immer die Phantasie Unterhaltungshungriger beflügelt zu haben. Vor allem die Phantasie der Bühnenautoren, deren Lebenssinn und -zweck sich direkt aus dem Interesse ihres Publikums speist. Ungebrochen bis heute scheint der Reiz, die Diskrepanz zwischen der Größe und Kostbarkeit ihrer äußeren Erscheinung und der nachvollziehbaren Begrenztheit ihrer Motive und ihres Fühlens auszuloten. Dass die Personen mit diesen juwelenbespickten, schweren Metallungetümen auf dem Kopf nicht mehr die politisch herrschende Klasse sind und Regierungen heute von Menschen bürgerlicher Herkunft gebildet werden, hat nicht etwas dazu geführt, dass der theatrale Faszination an den “gekrönten” Häuptern nachgelassen hat.  ”Gekrönt” im übertragenen Sinne können heutzutage auch Manager von Fußballvereinen, Bankdirektoren oder Fernsehmoderaten sein, und Bischöfe natürlich auch - geschenkt! - hohe Kirchenmänner gehören, wie Könige, seit je zum beliebten Bühnenpersonal von Theaterautoren. Statt der Theaterschreiber sind es heutzutage allerdings größtenteils Zeitschriftenautoren, denen die Geschichten über die ungekrönt Gekrönten ihr Auskommen sichern.
Was wohl aus unserer Theaterkultur geworden wäre, hätte sich William Shakespeare, damals schon in Konkurrenz befunden zu den schriftlichen Erzeugnissen professioneller “Nachttopfschlecker” und Paparazzi? Zu unserem Glück besaß seine Zunft damals fast noch das Monopol auf das farbige, dramatische und herzbewegende und geistig herausfordernde Darstellung der menschlich-allzu-menschlichen Realität hinter gloriosen Fassaden: Siehe da, unter dem Gold und unter dem Hermelin all der weltlichen und geistlichen Bühnenherrscher haben es sich die 7 Todsünden bequem gemacht! So bequem, wie wir es ihnen unter unseren eigenen kleinkarierten, schlecht gefüttertern, bürgerlichen Fräckchen nie bieten könnten - zumindest möchten wir das so glauben. Und dieser Glaube ist ein Hochgenuss, von dem wir uns immer wieder gern überzeugen lassen möchten, nicht wahr?
Wenn Sie das auch so sehen, kann ich Ihnen die Shakespeares der Woche mit all ihren strauchelnden und stolpernden Königen mittelerdischer oder elbischer Reiche nur empfehlen.


23. Januar 2014
Hosenkriege

Joggingrollen
Ich konnte es kaum glauben, als ich es am Dienstag in der Zeitung las: just an jenem Tag war der “Internationale Tag der Jogginghose”! Wenn tatsächlich jeder der 365 Jahrestage für irgendwas ein “Internationaler Tag” ist, sind wahrscheinlich notgedrungen ein paar ziemlich idiotische Dinge dabei (übirgens war der 21.1. auch der Internationale Tag des Knuddelns - ist noch nett oder schon blöd?). Wenn ich aber sehe, dass selbst seriöse überregionale Zeitungen der Jogginhose als Zeitphänomen ganze Artikel und Fotostrecken widmen und deren Bedeutung (?!) einer kulturhistorischen Betrachtung unterziehen, muss ich die Möglichkeit, dass ich es bin, die ein bisschen hinter ihrer Zeit zurückgefallen ist, als realistisch akzeptieren.
Man vergleicht den schleichenden Aufstieg dieses modischen Schmuddelkindes zum Style-Objekt mit der Karriere der Blue Jeans, mit deren Anfang als einfache und robuste Arbeitshose für amerikanische Goldgräber bis zu ihrer heutigen Wallstreet-Tauglichkeit.
Fürs Theater sind diese Hosen praktisch. Es gibt schließlich die klassische Hosenrolle, in der eine männliche Rolle von einer Frau gespielt wird. Im 19. Jahrhundert war eine Frau in Hosen eine Sensation, mehr noch: ein Skandal! Auch auf der Bühne. Aber ein sehr prickelnder Skandal. Dass Frauen in Männerhosen eine ganz spezielle Erotik ausstrahlen, hat Marlene Dietrich idealtypisch und bis heute unerreicht vorgemacht. Im Shakespeare-Theater war sogar noch ein Dreh mehr in dieser Geschlechtertausch-Erotik: dort spielten junge Männer Frauenrollen, auch jene, die sich als junge Männer verkleideten, wie z.B. die Rosalind oder die Viola. Der Kostümbildnerin macht die Jogginhose solche vertrackten Geschlechtertauscharrangements einfach: man stecke einfach alle Schauspieler und Schauspielerinnen in beutelige Jogpants, dazu noch Sneakers und mausgraue Oversize-Hoodies - schon ist jedem Zuschauer plausibel, dass ein Orsino, Orlando oder eine Olivia beim besten Willen nicht erkennen kann, ob sich in dieser Verkleidung ein Männlein oder ein Weiblein verbirgt. Was dabei allerdings auch verborgen bleibt, ist der erotische Reiz dieser so gewandeten Erscheinung. Und damit ist dieses Beinkleid nur sehr begrenzt Shakespeare-kompatibel, denn ohne Sexiness funktionieren seine Komödie nicht.


26. September 2013
Da gackert die fette Henne

Wahlkater
So langsam scheint sich die Nach-Wahl-Paralyse zu lösen und die ersten Akteure aus dem allgemeinen großen Kater zu erwachen, bzw. aus der ersten großen Euphorie wieder Bodenkontakt anzusteuern. Einige sind bereits dabei, schmollend, zerknirscht und desillusioniert das gastliche Haus mit der “fetten Henne” zu verlassen. Und die verbleibenden? Koalieren oder verweigern? Tête-à-Tête der beiden größeren oder die Größte mit den kleineren und die Mittlere ganz alleine? Und einer darf sowieso nie mitspielen. Sind’s nicht jetzt sogar zwei, mit denen eh’ keiner will? Tja, Demokratie ist schön, macht aber viel Arbeit.
Shakespeares Könige haben es sich da einfacher gemacht: da hieß es einfach:  “Kopf ab!”, wenn der politische Gegner nicht zu Kreuze kriechen wollte. Nicht, dass ich dafür plädieren würde, zu dieser rabiaten Methode zurückzukehren! Im Gegenteil! Diese Methode hat keinem besonders gut getan, nicht nur den solcherart Kopf-Gekürzten, den Kopf-Abmachern übrigens auch nicht. Zwei wunderbare Beispiele, wie man sich mit Mord und Totschlag selbst in den Abgrund manövriert, hat Shakespeare mit Macbeth und Richard III dramatisiert. Immer wieder sehenswert - heute mehr denn je. Eben weil Politik mit unseren Methoden so viel mehr Arbeit macht und zuweilen recht ermüdend erscheint, versetzen einem diese Macht-Berserker einen heilsamen Schrecken und wirken ausgesprochen belebend auf die Erotik der Demokratie.
In diesem Sinne bieten wir in dieser Woche genau das richtige Programm


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