Die Leiden des jungen Werther
nach Johann Wolfgang Goethe
Spielfassung: Matthias Schönsee u. Ensemble.
Regie: Matthias Schönsee.
Bühne/Kostüme: Heike Neugebauer.
Mit: Gunnar Haberland, Michael Meyer, Janina Zamani.
Werther verliebt sich rasend in Lotte, die mit Albert verlobt ist und ihn
bald auch heiratet.
Mit Albert ist Werther befreundet, Lotte ist ihm heilig,
doch er kann und will nicht aufhören, von ihr zu träumen.
Die Inszenierung
zeigt Werther, Lotte und Albert im Schmelztiegel ihrer widersprüchlichen
Gefühle zwischen Leidenschaft und Pflichtbewusstsein, hochfliegenden
Sehnsüchten und bodenständigen Lebensentwürfen und lotet das Ringen zwischen
ihrem freien Willen und den Einschränkungen durch die gesellschaftlichen
Normen aus.
Pressestimmen
Die Pressekritiken zu „Die Leiden des jungen Werther“ waren extrem unterschiedlich. Um die gesamte Bandbreite der Meinungen abzubilden, stellen wir hier zu Anfang Auszüge der Extrempositionen gegenüber. Im Gesamtbild überwiegen dann aber die positiven Stimmen.
Illusionen über wahre, stürmische Liebe
Kann die Liebe ein Ausweg aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit sein?
Werther, der Künstler, in seinem Gefühl maßlos, erliegt der Illusion, dass
“Lottes Liebe ein Ort sei, an dem er unbeschwert und geborgen wäre. Aber
er müsste zuerst frei sein, bevor er wirklich lieben könnte. Die Liebe eines
unfreien Menschen ist in Wahrheit - Abhängigkeit, also Einschränkung”,
(Mathias Schönsee). Einschränkung ist das, was Werther am meisten verhasst
ist. Die tägliche Fron ökonomischer Zwänge, der sich Lottes Verlobter Albert
als brave Beamtenseele beugt, ist ihm ein Greuel. Werther, der Künstler,
versucht alle Ketten der gesellschaftlichen Konvention zu sprengen, indem er
sich im Absolutheitsanspruch seines Gefühls verschwendet. Lotte wird zur
Projektionsfläche seiner persönlichen Freiheit. Sie soll ihm den Weg aus
seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit weisen.
Nun ist Gunnar Haberland in der Titelrolle weniger jener Gefühlsterrorist, als
der Werther oft gescholten wurde. Er ist vielmehr in all’ seiner
Verwundbarkeit und hohen Sensibilität ein homme fragile, dessen charmanter
Spontaneität Lotte zeitweilig erliegt. Bis sie sich dann doch für das sichere
Auskommen, das Albert (ein Ausbund an Korrektheit mit Vorliebe für Pantoffeln:
Michael Meyer) ihr bieten kann, entscheidet.
Janina Zamani setzt sich als Lotte in einem Anflug von Ironie mit der Rolle des
Hausmütterchens auseinander, der sie nicht entrinnen können wird. Ist sie doch
eher die Burschikose, die in kleinen Raufereien das verräterische Spiel von
Nähe und Distanz virtuos beherrscht und Werther dabei nie zu nah an sich
herankommen lässt.
Weserkurier
Selbstmord für ein Rumpelstilzchen
Gunnar Haberland zeigt den Träumer und Schwärmer als schnöseligen
Außenseiter, der in seiner Studentenbude einsam Selbstgespräche führt.
„Bessern“ wolle er sich, ruft Werther ins leere Zimmer hinein.
Plötzlich steht da jemand in der Tür: Ist das etwa ein echter Mensch? Einer
von der Sorte, die man immer auf den Internet-Plattformen zu sehen bekommt?
Natürlich nicht. Es ist lediglich eine Theaterfigur: der traurige Versuch,
Werthers Lotte in ironischer Brechung bildhaft werden zu lassen.
Aus unerfindlichen Gründen verfällt Werther diesem weiblichen Clown mit Haut
und Haaren, lässt sich auf ein albernes Tänzchen ein und spielt mit ihm Foto
shooting. In das Kasperletheater platzt unvermittelt ein Waldschrat herein:
Albert, der in Förstergrün gekleidete Verlobte Lottes, Obwohl der Waldschrat
ihm den geliebten Clown entführt hat, schließt der Internet-Werther mit ihm
Freundschaft. Bald will er aber doch lieber abreisen, weil er nicht mit ansehen
mag, wie das Brautpaar die Ringe tauscht – pardon: die karierten
Hausschuhe.
Irgendwann beschließt Werther, sein Leben zu beenden. „Lotte, ich will
sterben“, säuselt er lächelnd.
Gunnar Haberland wiederum nimmt seine Figur beim Wort. Heißt es nicht in
seinem Abschiedsbrief, Werther habe sich in seinen letzten Stunden
„gelassen“ und frei von „romantischer Überspannung“ gefühlt? Es passt
einfach nichts zusammen in dieser Inszenierung. Werther nicht zu Lotte, die
Liebe nicht zum Laptop. Und schon gar nicht: der Selbstmord zum Klamauk.
Kreiszeitung
Eine bewegende Premiere. Zermürbend, ergreifend und zeitlos ist die
Inszenierung von Mathias Schönsee. Authentisch und erschreckend fühlbar
Werthers Liebesschmerz. Inmitten dieser bleiernen Stare schaffte das
Darsteller-Trio dennoch, ab und zu Komik entstehen zu lassen. „Schuld“ daran
ist die belebende Farbigkeit, die typisch für die bsc ist. Zwei Stunden
anspruchsvolle Theater, in denen es ernster und düsterer zugeht als bei Master
Shakespeare.
Weser-Report
Regisseur Mathias Schönsee, der auch die Textfassung für diese Bremer
Inszenierung schrieb, hat aus dem Briefroman ein frisches, modernes Stück mit
viel Tempo geformt. Er hat eine gute Textauswahl getroffen, die neben der
Beziehungskiste der drei Personen auch die sozialen und politischen Aspekte
dieses Werkes berücksichtigt. Die drei Schauspieler agieren mit großer
Spielfreude und Intensität, ihr ungenierter Umgang mit ihren Gefühlen wäre
wohl auch für Goethe selbst eine Freude gewesen. Da wird getanzt, gelacht und
geflirtet, das die weißen Teppichfetzen fliegen. Zudem verblüfft die
Inszenierung immer wieder mit anrührenden und überraschenden Bildern. Es ist
eine riskante Gratwanderung zwischen Drama und Klamauk, die jedoch gelungen ist.
Das Premierenpublikum bedankte sich für die zwei kurzweiligen, berührenden
Stunden mit langem Applaus.
Nordwestradio
Eine wunderbare Inszenierung des „Werther“!
Eine tolle Regie- und Schauspielerleistung. Auch das Bühnenbild und die
Kostüme waren Klasse. Habe gleich den „Werther“ aus meiner Goethesammlung
geholt und wieder gelesen. Ich werde das Stück weiterempfehlen.
Ein begeisterter Zuschauerbrief an die bsc
Mein Mann und ich waren von dem Theaterstück ergriffen, begeistert,
fasziniert, gerührt, überrascht, sogar erheitert, ….
Ausgezeichnete Regie, bemerkenswerte schauspielerische Leistungen, sinnige,
ästhetisch schlüssige Ausstattung. Ich kann über den Werther nur in
Superlativen sprechen.
Wenn man bedenkt, dass es ein Briefroman ist! Was hat die Shakespeare
Company daraus für eine Dramatik gewinnen können, welch interessante Bilder
haben Sie ausgedacht (zum Beispiel die Filzpantoffeln als kleinbürgerliche
Ehe-Fußfesseln)!
Man fühlt sich nach solch einem Theatererlebnis richtig erfrischt.
Liebe Grüße, Ihre
Karla Götz
Pressereferentin der Senatorin für Bildung und Wissenschaft
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