Ende gut, alles gut
von William Shakespeare
Übersetzung, Regie: Sebastian Kautz.
Bühne: Katja Jürgens, Sebastian Kautz.
Kostüme: Uschi Leinhäuser.
Mit: Tim Dominick Lee, Michael Meyer, Markus Seuß, Beate Weidenhammer, Janina Zamani.
Zum Inhalt:
Helena hat den König von Frankreich geheilt und darf sich zum Dank einen
Gatten aussuchen; sie wählt Bertram, der jedoch von einer aufgezwungenen
Heirat nichts wissen will. Er geht mit Parolles, seinem geschwätzigen und
feigen Begleiter nach Italien, wo er für den Herzog von Florenz
Kriegsdienste leisten will. Helena folgt ihm heimlich, und es gelingt ihr,
die beiden Bedingungen zu erfüllen, die Bertram ihr für seine Rückkehr nach
Frankreich gestellt hat…
Das Handlungsgerüst hat Shakespeare in einer Erzählung von Boccacios
Dekamerone gefunden.
Die Inszenierung:
Regisseur Sebastian Kautz („Ein Sommernachtstraum“) hat für seine
Inszenierung das Werk neu übersetzt und in eine temporeiche Spielfassung
gebracht. Auf der Bühne entsteht mit Live-Musik und den Mitteln des
Slapsticks eine sinnliche Welt praller Shakespeare-Figuren. Doch bis es
wirklich „Ende gut, alles gut“ heißt, passiert eine Menge in Shakespeares
turbulenter Komödie:
Wie kann aus Liebe Besessenheit, Hass und wieder Zuneigung werden? Wo
verläuft die Grenze zwischen Sehnsucht und Stalking? Die jungen Leute in dem
wahrscheinlich 1603 uraufgeführten Drama schlagen sich mit sehr heutigen
Themen wie Singleleben, Heimatlosigkeit und Generationenkonflikt herum. Aber
auch das betagte Personal in diesem viel zu selten gezeigten Stück hat seine
Probleme- mit der Liebe und dem Älterwerden.
Der Schauplatz der Geschichte um die beiden Protagonisten Helena und Bertram
ist ein zerrissenes Europa, und alle Menschen, denen die beiden jugendlichen
“Helden” auf ihrer Suche nach sich selbst begegnen, reagieren
anders auf die
Frage: Was ist Liebe? Ein Privileg der Jugend, resigniert der greise König;
ein grausames Spiel, entdeckt die Gräfin; der soziale Aufstieg, denkt der
Heiratsschwindler; guter Sex, behauptet der Clown; ein florierendes
Geschäft, findet die Witwe.
Und was meinen Sie?
Mit viel Mut zum derben Witz hat Sebastian Kautz eine pralle
Inszenierung
gestaltet, die nicht nur derb ist, sondern auch äußerst vergnüglich. In
liebevoller Schredderung nationaler Klischees (die Pizza-Bäcker-Familie ist
in ihrer Cross-Dressing-Ausgabe einer der vielen Höhepunkte dieser
Aufführung), mit zahlreichen Musiknummern, in denen sich Janina Zamani als
versiert an der singenden Säge erweist, und mit Mut zum Slapstick zeigt die
bremer shakespeare company hier eine temporeiche, geistreich-witzige Fassung
von „Ende gut, alles gut“. Als delikates Bonbon zum Schluss geben Tim D.
Lee
als Bertram und Janina Zamani als Helena noch einen Einblick in das, was
Hollywoods Happyends stets verschweigen. Das Premierenpublikum war
begeistert.
taz
Mit großer Spielfreude und unbändigem Witz bringt das Ensemble das
vermutlich 1603 entstandene Stück auf eine Weise auf die Bühne, die sich
fraglos auf die Liebeswirren von heute übertragen lässt. So lässt die
Kombination aus Shakespearescher Sprachkunst, modernem Durchblick und der
schlichten Ästhetik von Jahrmarktsnummern die klassischen Gedanken über
Singledasein,
Generationenkonflikt, das Verhältnis der Geschlechter und die Liebe an sich,
das Stück brandaktuell erscheinen.
Shakespeares Vorlage wird ganz als Volkstheater begriffen. Unbefangen und
ohne jede Angst vor einfachem Witz, clownesken Kalauern und vor frechen
Zweideutigkeiten, greift Regisseur Sebastian Kautz in die zwar altbekannte,
doch immer wieder wunderbare Zauberkiste des Theaterspiels. So vergeht das
knapp zweieinhalbstündige Stück wie im Flug und lässt keine Minute
Langeweile aufkommen. Das macht Spaß und lockt sicherlich auch das junge
Publikum ins Theater.
Diabolo
Fast alle Inszenierungen der bremer shakespeare company stehen in der
Tradition des Volkstheaters, und so ist auch „Ende gut, alles gut“ recht
grob und laut und bunt. Aber gut.
Hannoversche Allgemeine Zeitung
Die meisten Lacher wurden von der Situationskomik erzeugt. Perfektes
Timing, minutiös gesetzte Akzente, Slapstick vom Feinsten und höchste
Menschlichkeit – das Stück ist sehr beschwingend und kurzweilig, eben
unterhaltendes Theater, wie man es von der bremer shakespeare company gewohnt
ist.
Weser-Report
Während die Bühne minimalistisch gestaltet war, setzte das Ensemble
die Gefühlsduselei turbulent um. Mit bunten Kostümen und witzigen Details
wurde der gesamte Abend zu einer einzigen Slapstick-Einlage voller sexueller
Anspielungen und Klischee-Erfüllungen. getragen von völlig überzeichneten
Charakteren.
Nach der Pause ging es rasant und amüsant zur Sache. Um es mit den Worten des
Königs von Frankreich abzuschließen: „Was man nicht alles für die Liebe
tut. Hauptsache Ende gut, alles gut.“ So sahen es auch die Zuschauer. Diese
belohnten das Ensemble mit lang anhaltendem Applaus.
Bremer Anzeiger
Die Komödie erweist sich als widerborstig und lebensklug zugleich. Und
doch schimmert, vor allem im zweiten Teil, immer wieder die Verletzlichkeit der
unglücklich Liebenden durch. „Ich liebe einen Stern, der über mir
unerreichbar im Himmel thront“, wer könnte das schöner sagen als
Shakespeare? Wenn Kautz sich am Ende diese beiden unterschiedlichen
Liebes-Universen behutsam annähern lässt, zeigt der Regisseur, dass er sich
durchaus auf Poetisches versteht.
Weser-Kurier
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