Julius Cäsar, Cleopatra, Antonius
von William Shakespeare
LUST.STÜRMT.MACHT.
Im Kreis der Wölfe
Übersetzung: Rainer Iwersen.
Regie: Lee Beagley.
Bühne: Heike Neugebauer.
Kostüme: Uschi Leinhäuser.
Mit: Tobias Dürr, Tim D. Lee, Erik Roßbander, Petra-Janina Schultz, Markus
Seuß, Beate Weidenhammer.
Für den britischen Regisseur Lee Beagley vollendet sich die Geschichte des
Julius Cäsar nicht mit seinem Tod, sondern seine Persönlichkeit und seine
Herrschaftsmechanismen prägen maßgeblich auch seine politischen Erben.
Beagley untersucht in seiner Inszenierung die Reibung zwischen öffentlichem
Taktieren und persönlicher Integrität und die Bedeutung der
(Selbst-)Inszenierung als Mittel, bzw. Zweck politischen Handelns. Dient die
Rhetorik der authentischen Vermittlung von Tatsachen und Inhalten oder der
Erzeugung einer Scheinwirklichkeit? Eine Frage, die sich auch heutzutage an die
mediale „Vermarktung“ von Politik stellt.
Eine Inszenierung, die trotz der modernen Fragestellung, Shakespeare nicht
verleugnet.
Pressestimmen
Das Ensemble knüpft mit dieser stimmigen Inszenierung an seine
bewährte Tradition an. Frisch, ironisch, gar ein bisschen frech und vor allem
schauspielerisch äußerst wandlungsfähig. Das Publikum dankt dem Verzicht auf
große Experimente mit verdientem Applaus!
Bild
Regisseur Lee Beagley hat gleich zwei fünfaktige Römer-Tragödien
Shakespeares auf die Bühne der Company gebracht. Die Erotik der Macht
interessierte ihn dabei besonders. Dazu bricht er den tragischen Ernst der
Römer-Tragödien immer wieder auf, indem er dem klatschsüchtigen Volk
auf’s Maul schaut, seine Manipulierbarkeit und die der
sensationslüsternen Presse ausstellt
Nach dem gespenstischen Meuchelmord an Cäsar, der in einem variablen Rund aus
blutroten Stoffbahnen vollzogen wird, heißt es Manege frei für das
Cäsaren-Theater der Toten. Cäsar beobachtet die Szenerie als voodoohafter
Widergänger, der seine tödlichen Stichwunden dezent zur Schau stellt und dabei
mächtig auf die Pauke haut. Erik Roßbander geht im ersten Teil ganz in seiner
Rolle des staatstragenden Politikers auf. Tim D. Lee und Markus Seuss geben
seine Widersacher, die Verschwörer Cassius und Brutus. Während Seuss’
Cassius sich eher von der Blässe des neidischen Gedankens angekränkelt zeigt,
ist Lees Brutus ein infam argumentierender Republikaner aus Fleisch und Blut.
Petra-Janina Schultz als Cleopatra und Tobias Dürr als Antonius sind die
zentralen Figuren des Abends. Sie bewohnt wie eine Tochter der Luft einen
runden, weißen Zeltpalast. Die Schauspielerin durchlebt glaubhaft das
Wechselbad der Gefühle, rast vor Wut, ist in ihrer Sehnsucht verzagt und
kleinmütig und schließlich zu allem bereit. Ihre berühmte Schlangenbiss-Szene
ist stark wie der Tod selbst. Das weiße Zelt wird zum Gewand der Todgeweihten.
Fast geräuschlos steigt sie mit ihrer Dienerin Charmian (voller Empathie: Beate
Weidenhammer) vom Gipfel ihrer Macht herab. Schultz und Weidenhammer punkten
aber auch als entfesselt keifende Plebejerinnen. Sie lassen sich von der
rhetorisch brillanten Trauerrede, die Marc Anton auf seinen Freund Cäsar hält,
zur Rache aufstacheln. Eine Sternstunde für Tobias Dürr, die er voll
auszukosten weiß.
Weserkurier
In seinen lichten Momente kann das Theater federleicht sein. Das gelingt
immer dann, wenn man als Zuschauer nicht etwa vergisst, dass da vorne auf der
Bühne gespielt wird, sondern wenn man es im Gegenteil weiß – und es einen
trotzdem berührt.
Luftig ist auch das Vorhangsrund, dessen – im julianischen ersten Teil rote,
in der zweiten, der Kleopatrahälfte weiße – leichte Stoffbahnen
Herrschaftsräume und böse Träume rasch auf einander folgen lassen. Die
Geschwindigkeit der Wechsel lässt einen Sog entstehen, macht die römische
Geschichte zu einem Kontinuum aus Begierde, Kalkül, Geopolitik.
Alles in allem erscheint Rom wie eine Urform der Mediokratie, in der die Haupt-
und Staatsaktionen vor allem in einer Währung gemessen werden: dem Nachruhm. In
dem Moment, da Caesar (mit sichtlichem Vergnügen als dessen Geist zu Werke
gehend: Erik Roßbander) zu seinem eigenen Standbild mutiert, muss er weg. Doch
Tim Lees verhuschter Brutus verheddert sich im Gezwirn ethischer Politik und
muss alsbald ebenfalls weichen. Petra Janina Schultz’ Kleopatra schließlich
räkelt sich so sehr auf ihrem alexandrinischen Podest, dass auch sie von jenem
Image nicht mehr zu trennen ist, das Caesar wie Antonius in ihre Arme trieb.
Grundiert von einer plausibel aktuellen (nicht besinnungslos aktualisierenden)
Lesart, entsteht ein schneller narrativer Beat, entstehen schöne Bilder.
Cassius und Brutus verständigen sich darüber, dass der Tyrannenmord wie auf
dem römischen Theater auszuführen sei: unangestrengt, direkt und
formvollendet. Das hat sich Beagley wohl auch gesagt. Und sich für kurzweilige
drei Stunden Spieldauer daran gehalten. So kurzweilig, dass man sich am Ende
wundert, dass man einem torlosen Remis von Gefühl und Vernunft beigewohnt
hat.
Kreiszeitung
Bei dem Stück ist einiges los: sechs Schauspieler in insgesamt 21
Rollen, das erfordert Konzentration, um dem Ganzen folgen zu können.
Shakespeares politisches Schauspiel wurde vom Ensemble überzeugend umgesetzt.
Von der Entstehung Roms, über den Tod Cäsars bis hin zum Ende Cleopatras wurde
auf der Bühne mit zahlreichen Kostümwechseln oder gar nackt agiert. Der
Zuschauer wird Zeuge von Machtkämpfen, bei denen rhetorische Fähigkeiten eine
große Rolle spielen (überzeugend: Tobias Dürr als Antonius bei der
Leichenrede Cäsars). Die Toten im Stück erscheinen nach und nach als Geister,
die die Geschehnisse unterhaltsam kommentieren. Der Theaterabend war erst nach
dreieinhalb Stunden zu Ende. Dennoch schien das Publikum munter genug, um dem
Ensemble mit langanhaltendem Applaus zu gratulieren.
Bremer
Anzeiger
Die Shakespeare-Brothers und Sisters haben es mal wieder geschafft. Mit
charmant-frechem Humor und fantasievoller Symbolik geben sie dem Publikum einen
detaillierten Einblick in die (un)verhüllten Begierden der römischen Bürger.
Das i-Tüpelchen des Humors immer an der richtigen Stelle gesetzt, gelingt der
Inszenierung von Lee Beagley genau die typische Mischung à la shakepeare
company, die klassische Stücke, dargestellt von exzellenten Schauspielern, zu
einem beschwingten Kulturhappening werden lässt. Spannender Geschichtsexkurs
für alle Bürger, die Sinn für römisch-deftigen Humor haben. Master
Shakespeare hätte das pfiffige Ränkespiel um Ruhm und Macht mit einem
schmunzelnden “nice” bewertet.
Weser-Report
Lee Beagley (Regie) lässt seinen Schauspielerinnen und Schauspielern
viel.
Raum für körperliche Entfaltung. Auf einer schlichten Bühne mit wenigen
Requisiten (Heike Neugebauer) läuft ein buntes Spektakel ab (Kostüme: Uschi
Leinhäuser), das, zum Teil sehr ironisch, die Gesetzmäßigkeiten politischer
Abläufe beleuchtet und dabei eine Tendenz zum Klamauk nicht scheut.
Deutlich
herausgearbeitet sind der Kampf starker Persönlichkeiten um die Macht in
einer Zeit der Systemveränderung und die Wankelmütigkeit der Massen. Dem
gesamten Ensemble sind Spielfreude und großes Engagement zu bescheinigen.
Die bremer shakespeare company hat seit langem ihren Stil gefunden und
betont den Charakter des Volkstheaters.
Brillant
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