Stiller Raum - Rio Reiser - Nahaufnahme
Songs von Ton Steine Scherben und Rio Reiser, neu arrangiert von Jens »hassel« Hasselmann und Sebastian Mirow
Die Musik der „Ton Steine Scherben” und „Rio Reiser” ist so
vielschichtig und variationsreich, dass ein Abend gar nicht alle Facetten
darstellen kann. Das fanden Sebastian Mirow, Darsteller des Rio und Jens
“hassel” Hasselmann, Darsteller seines Weggefährten und engsten
kreativen Partners Lanrue, in der Inszenierung von Pit Holzwarth und Renato
Grünig “Rio Reiser - Der Kampf ums Paradies”. Regelmäßig brachten
sie die Zuschauer vor ausverkauftem Haus zu standing ovations.
In einem After-Show-Konzert entdeckten sie die ungeheure Kraft der leisen
Töne. Dadurch motiviert tauchten sie noch tiefer in die musikalische Seele der
„Ton Steine Scherben” ein.
Möglich ist dieses nahe Erfühlen, diese „Nahaufnahme” nur durch die
monatelange intensive Auseinandersetzung mit dem Stück „Rio Reiser - Der
Kampf ums Paradies”.
“Stiller Raum”, der Titel eines Rio-Reiser-Songs, wird hier
Programm. Keine Drums, keine Keyboards, keine Lautstärke, die sich über die
Balladen, Songs und Texte legen. Mit der einnehmende Stimme Sebastian Mirows und
den Arrangements des exzellenten Gitarristen Jens „hassel” Hasselmann
werden Räume für den Poeten Rio Reiser geöffnet. Besonders die Begegnung mit
den späten Solo-Stücken und unbekannteren Werken Rios führt zu einem
intensiven musikalischen Erlebnis!
Doch wenn Sebastian „Rio“ Mirow anfängt, dem Junimond für immer
Bye-bye zu sagen, dann ist das nicht die dreiundzwanzigste Version eines uralten
Smash-Hits. Das ist viel mehr ein ätherisches Schaumbad für die Seele.
Wenn er nach der Krone des König von Deutschland greift, ist das keine
Schlagerparty, sondern ein Whirlpool – mit Gemütsmassagebrause. Bis in die
tosende Brandung jagen sie die Zuschauer, singen von der See, der Liebe und der
Wahrheit. Mirow und Hasselmann lassen die Luft vibrieren mit nur 12 Stahlseiten
und ein bisschen Inbrunst. Und dann bleibt man, wie eine atemlose dicke Robbe an
den Strand gespült, liegen.
taz
Im Laufe des Spiels gelingt Mirow eine fast perfekte Illusion, etwa in
„Junimond“ : mit dem zerrissenen Foto der Freundin im Mund intoniert er
die Ballade in einer Stimmlage, die dem Original verblüffend nahe kommt. Von
einer bloßen Imitation indes kann allein schon wegen der intelligenten wie
einfachen Instrumentierung, die zwischen Country-Blues und Garagen-Punk pendelt,
keine Rede sein. Eine überzeugende Verbeugung vor einem zumindest zu Lebzeiten
unterbewerteten Musiker.
Nordwest-Zeitung
Zwei Boxen, ein Mikrophonständer, ein Gitarrenkoffer und ein Telefon.
Dazwischen liegen Jens „Hassel“ Hasselmann und Sebastian Mirow. „Hass,
Hass, Hass“ haucht Mirow ins Mikro. Hasselmann gibt die Begleitung auf seiner
blitzenden Gitarre. Es folgt „Liebe kommt von unten“. Behutsam wird das
Publikum an Rio Reisers Großstadtpoesie herangeführt. …Am Ende liegt
Sebastian Mirow wieder am Boden und gibt überzeugend herzzerreißend „Stiller
Raum“. Das Premierenpublikum trampelt und tobt. Es will mehr.
Diabolo
Eineinhalb Stunden vergehen wie im Flug; der Mix zwischen gesungener
Melancholie und komödiantischer Szenerie hält sich gekonnt die Waage.
Eindruckvoll wie erschauernd schön Mirow mit übergestülpten Eimer oder
bäuchlings über der Lautsprecherbox singen kann. Dazu die sichtbare Freude am
Rollenspiel – Mirow und Hasselmann ist die Annäherung gelungen und macht
neugierig auf Mehr vom stillen Reiser.
Kreiszeitung
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