Williams WitwenRevue
vertonte Shakespeare-Sonette
Idee, Komposition, Bühne, Regie: Sebastian Kautz
Musikalische Arrangements, Regie: Jens “hassel” Hasselmann
Kostüme: Uschi Leinhäuser
Musik: Sebastian Kautz (Gitarre), Erik Roßbander (Bass), Markus Seuß
(Schlagzeug)
Mit: Svea Meiken Petersen, Claudia Spörri, Janina Zamani
Auf dem Friedhof der Absonderlichkeiten spielt das Leben - verrückt! Die bremer shakespeare company bittet zum Leichenschmaus der besonderen Art: 15 Sonette von William Shakespeare, frech adaptiert und beherzt vertont. Drei Witwen, eine Leiche und die eigens für diesen Abend ins Leben gerufene Theaterband präsentieren ein bizarres Dramolett voller Liebe, Lust und Leidenschaft.
Nach “Comedian Harmonists” und “Rio Reiser” ein neues musikalisches Spektakel aus der Dramatikerwerkstatt, angesiedelt irgendwo zwischen Schlager, Rock und Punk, das die Shakespearschen Sonette ganz neu erleben lässt.
Die Maitresse de plaisir lässt das Zeremonienstöckchen über ihrem
Kopf kreisen und schiebt sich keck den schwarzen Zylinder ins Genick. Über
einem frisch ausgehobenen Grab schlägt sie Rad und setzt mit einem Kopfstand
ihre grünen Dessous und mit schwarzer Spitze bestrapsten Beine in Szene.
Die coole, vom Publikum bejubelte Show, die Regisseur Sebastian Kautz die erste
seiner drei rockenden Witwen in Person von Claudia Spörri abziehen lässt, wird
zum Höhepunkt von “Williams Witwen-Revue”. Die bremer shakespeare
company hat eine handverlesene Auswahl aus den Sonetten ihres Hausgottes, je
nach Gefühlslage mit Rock-Rhythmen, im Balladenton oder mit
Schlager-Einsprengseln vertont. Die freien Übersetzungen der
Shakespeare-Sonette, die jedoch inhaltlich immer ins Schwarze treffen, stammen
größtenteils von Kautz. Mit Ausnahme des Sonetts 66, in dem sich die ganze Wut
über herrschende Missstände Bahn bricht, dreht sich die Mehrzahl der
kunstvollen Poeme um die Abgründe der Liebe - ein Thema mit Variationen.
Weser Kurier
Das Sonett 97, in der Übersetzung von Sebastian Kautz „Witwensong“
genannt, trägt die Witwe des dort im Grabe Liegenden, höchst schauerlich und
kess in zwei Tonlagen vor. Doch sie ist nicht die Einzige, die das Davonscheiden
des im Grabe liegenden betrauert. Denn plötzlich erscheinen auf dem Friedhof
zwei weitere Damen in Schwarz.
Nach der Idee von Sebastian Kautz lassen uns die drei Schauspielerinnen sowie
die dreiköpfige Schauspielerband in dieser eineinhalbstündigen Revue 15
Shakespearsche Sonette um Liebe, Lust und Leidenschaft neu erleben. Jens
Hasselmann und Sebastian Kautz schufen einen schauspielerisch wie musikalisch
unterhaltsamen Abend.
diabolo
Das Publikum lacht, als auf dem gespentisch ausgeleuchteten Friedhof
Absonderliches geschieht. Vor farbigen Himmel mit Scherenschnittbaum spielt ein
Soldat auf Stahlhelmen Schlagzeug. Ein Totengräber hat Angst vor sich selbst.
Gattin (Claudia Spörri), Verführerin (Svea Meiken Petersen) und die
Angehimmelte (Janina Zamani) verarbeiten in rasantem Wechsel ihren Verlust.
..Die turbulent Revue entspricht dem Konzept der bremer shakespeare company.
… Das Publikum feierte die 90-minütige Uraufführung im Theater am
Leibnizplatz mit langen Applaus.
dpa
Da mutiert die selbst ernannte „Brave Kirchenmaus“ plötzlich zu
einer Rockröhre, brüllt ihre ganze Verachtung der Welt hinaus; schier
unfassbar, welches stimmliche Potenzial und welche Virtuosität in dieser
biederen Hausfau steckt. Mitunter gelingen dem Ensemble groteske Bilder, die
allein bereits das Eintrittsgeld wert sind. … Zu soviel wunderbarem
Nonsens passen dann auch Sebastiane Kautz’ eigenwillige Übersetzungen der
lyrischen Sprache.
Kreiszeitung
So bizarr und skurril das Stück der bremer shakespeare company
„William WitwenRevue mit Späßen über Liebe, Lust und Leidenschaft daherkam,
so geistreich erklangen die 15 dargebotenen recht frei übersetzten Sonette von
Shakespeare in originellen Vertonungen. Auch schauspielerisch waren diese
gekonnt inszeniert. Sowohl das Sonett „Lied von der Vermehrung“ des mit
Sturmhelmen aus dem Grab heraus singenden Männertrios als auch zu Herzen
gehende Inhalte wie „Zum Glück liebt alles einmal eh’ es stirbt“ aus dem
Sonett des vom Damentrio am Grabesrand gesungenen „Und nichts“ ergaben die
geistreiche Mischung aus Ernst und Humor. Alles in allem ein pikanter
Sonett-Shake, der mit großem Beifall und einer Zugabe abgerundet wurde.
Westfalenblatt
William Shakespeares Sonette gelten als so kunstvoll, wie mitunter
schwierig und dunkel. Sebastian Kautz hat für die bremer shakespeare company 15
der Gedichte bearbeitet, sie vertont, aus ihnen ein kleines genießbares
musikalisches Bühnenspektakel geformt.
Da geht es singend im Liebesfieber des 147. Sonetts – „krank vor Lust, doch
keine Heilung“ – die Stufen hoch zwischen das Publikum. Da wird die
Verzweiflung über die Verderbtheit der Welt im Sonett 66 („All dessen
müd’, schrei ich nach Todesrast“) gleichsam noch einmal bestätigt, indem
die Sängerin, überm Erdloch herumhüpfend, die Klage unterläuft, sie wie eine
Revuenummer bringt: Weltschmerzshow. Als Zugabe für das eifrig applaudierende
Publikum gab es die Nummer 27. „Sieh doch, ruhelos mein Leib und Geist“,
lautet der Refrain dieser gedanklichen „Pilgerfahrt zu dir“, ein Song mit
Ohrwurmqualitäten.
Neue Westfälische
Treffen sich drei Frauen am offenen Grab… wie der Einstieg zu
einem morbiden Witz startet die bremer shakespeare company ihre „Williams
WitwenRevue“. Einen auf den ersten Blick spritzigen, bei näherer Betrachtung
subtilen Rückblick auf ein facettenreiches Beziehungsleben zu einem imaginären
Abgelebten boten die drei Sängerinnen und drei Musiker des Bremer Ensembles in
einer ebenso frechen wie vorzüglichen Aufführung. Gitarrist Sebastian Kautz
hat einen Teil der 154 shakespearschen Sonette, die 1609 erstmals erschienen
waren, frisch und frei übersetzt: mit Hintersinn und Tiefe, mal deftig und in
jeder Nuance den Originalton treffend. Denn die Lieben und die Leiden des 17.
Jahrhunderts unterscheiden sich nicht sonderlich von den heutigen. Hält man das
englische Original des Großmeisters vollendeter Poetrie neben die
Interpretationen der Bremer Shakespeare-Enthusiasten, tun sich erstaunliche
Parallelen auf.
Claudia Spörri entpuppt sich als „tugendhafte Frau“ im Lied vom Warten.
Svea Meiken Petersen ist „die Fesche“ und Janina Zamani kommt als „die
Zarte “ daher. Und die „Musi“ spielt in diesem Dramolett herzerfrischend
vorlaut dazu.
Mal abgesehen von dem einfallsreich umgesetzten Werk Shakespeares überzeugen
die Darsteller wie gewohnt mit ihrer künstlerischen Vielfalt. Die reicht von
den überzeugenden Stimmen über die instrumentalen Qualitäten bis hin zu
Handstandakrobatik.
Die Glocke, Gütersloh
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