Wut und Wiege
Ein Stück Revolution aus Musik. Von Torsten Krug und Ensemble.
Regie: Torsten Krug.
Musikalische Leitung: Thorsten zum Felde.
Bühne: Heike Neugebauer.
Kostüme: Uschi Leinhäuser.
Mit: Tim D. Lee, Svea Meiken Auerbach, Markus Seuß, Beate Weidenhammer, Janina
Zamani, Thorsten zum Felde.
Revolution hat mit Träumen zu tun. Schnell bei der Hand war schon immer der
Vorwurf, würde die Welt neu gedacht, dass das doch nur Träumerei sei! Und doch
- Revolution hat mit Handeln zu tun. Sie ist der (manchmal gewaltsame) Übergang
in eine neue Ordnung, der Sprung in eine Utopie - eine Welt, welche zuvor nur
gedacht, gefühlt oder ersehnt wurde, aber noch nicht existierte. Hierin liegt
ihre Nähe zur Kunst, zum Theater: in der Suche nach einer gemeinsamen Fantasie.
Revolution hat mit Liebe zu tun. In ihrem Absolutheitsanspruch befeuert sie
umstürzlerisches Potential und ist daher ein legitimer Grund der Rebellion
gegen herrschende soziale Verhältnisse.
Wo findet sich Revolution heute? Wo sind die Ideen, Utopien, wo sitzt „der
Feind“? Gibt es noch Potential, die Welt neu zu denken, noch Wut, Kraft und
Einsicht, sie zu verändern? Die Musik mit ihren großen Emotionen war schon
immer Begleiter und Wegbereiter von revolutionären Umschwüngen.
Sechs Schauspieler und Musiker begeben sich auf die Suche nach ihrer und unserer Revolution! Ein Revolutionsliederabend mit Musik von Klassikern und Zeitgenossen.
Pressestimmen
Der Titel ist schlicht und abstrakt, das Potenzial dahinter offenbart
sich jedoch beim ersten Akkord aus dem E-Bass von Thorsten zum Felde (musikal.
Leitung). Das Publikum ist elektrisiert. Die neueste Produktion der bremer
shakespeare company macht erstaunlich großen Spaß. Einmal mehr wandelt das
Ensemble jenseits der Shakespeare-Pfade – und widmet sich der Musik. Ein
Genre, in dem sie die Darsteller sichtlich zu Hause fühlen, so dass allein
schon das lustvolle Agieren einen Blick auf die mit ihren Rollcontainern und der
Garderobenstange an einen Backstagebereich erinnernde Bühne (Heike Neugebauer)
lohnt.
Die sechs Darsteller lassen sich von der Musik treiben, kleine Szenen entstehen
wie aus dem Nichts und lösen sich ineinander auf. Die große, weitgefasste
Klammer ist das Thema Revolution, besungen seit Jahrhunderten.
Regisseur Torsten Krug, Thorsten zum Felde und dem Ensemble (Tim D. Lee, Svea
M. Auerbach, Janina Zamani, Markus Seuß und Beate Weidenhammer) ist ein
leichtfüßiger, humorvoller Abend gelungen. In kompakten 90 Minuten reisen die
sechs Akteure quer durch die Musikgeschichte – und offenbaren ein
erstaunliches musikalisches Potenzial. Die Darsteller der company überzeugen
nicht nur als mimenreiche Schauspieler, sondern auch als Sänger und Musiker.
Kreiszeitung
Die bremer shakespeare company hat aus einer Handvoll Songs ein
Theaterstück gebastelt hat, das fast ohne Handlung, dafür mit umso mehr Musik
auskommt. Es geht um Musik und Revolution - und wie Utopien ins Trudeln
geraten.
In geschmackvoll drapierter Unaufgeräumtheit präsentiert sich zu Beginn die
Bühne. Wir sehen das Basis-Inventar des Rock and Roll: Transportkisten für
Bühnenmaterial würfeln sich zur rauchgrauen Landschaft, Traversen greifen nach
der Decke, ein Kühlschrank ruht und kühlt zur Seite. Am Boden lauern
Lichtrampen darauf, illumieren zu dürfen.
Die Gestalten, die sich aus diesem Kuddelmuddel herausschälen, beginnen mit
zeitlupenartig verlangsamtem Gesang. Es ist für den Zuschauer recht spannend,
den jeweiligen Song in dessen Zergliederung zu erraten, so, wie ihn der Musiker
Thorsten zum Felde arrangiert hat.
Beate Weidenhammer singt den Auftakt. Mit glitzerweißem Revue-Hut ist sie bei
dieser Eröffnung wahrlich keine revolutionäre Erscheinung - ganz im Gegenteil:
Die große kommerzielle Rock-Pose zitiert sie mit Robbie Williams’
“Let me entertain you”; ein gespenstisch leises Skelett von einem
Welthit.
Gegen diese Art von (Kommerz-)Pop regt sich nun allerdings Widerstand. Eine
schwarze Kapuzen-Gestalt (Janina Zamani) macht sich mit einem Pflasterstein
wurfbereit. Um den sich anbahnenden Konflikt zwischen autonomem Straßenkämpfer
und dem Bestverdiener der Musikindustrie zu bereinigen, pfeift die Regie von
Torsten Krug eilig eine weitere Popfigur herbei: Als John Lennon muss sich
Markus Seuß zwischen die Fronten werfen. Denn dass “Revolution”
auch ein böses Reimpaar mit “Destruction” bildet, ist seit dem
entsprechenden Beatles-Song bekannt.
Aus diesem szenischen Prinzip entwickelt das Ensemble im Laufe der
zweistündigen Show eine Flut von Szenen. Dass die Songvorlagen mit recht
originellen Bebilderungen konterkariert werden, ist stets raffiniert konzipiert.
In solchen Momenten ist die company dann doch - auch ohne große Worte! - für
eine Überraschung gut.
Weserkurier
Regisseur Torsten Krug und dem Ensemble gelingt ein humorvoller Abend.
Die Akteure offenbaren ein erstaunliches musikalisches Potential. Tosender
Applaus!
Bild
Wer von diesem Stück der Shakespeare Company, wer von “Wut und
Wiege”
revolutionäre Inspiration erhofft - der wird enttäuscht sein. Hier geht es
nicht um eine Rebellion gegen die herrschenden Verhältnisse. Sondern um
deren beinahe zwangsläufiges Scheitern. Was vom Geist des Umsturzes übrig
bleibt ist Desillusionierung. In gute Unterhaltung verpackt.
Dem Ensemble rund um Regisseur Torsten Krug gelingt ein Stück, das
musikalische Höhen wie Tiefen hat und in dem jeder der sechs
SchauspielerInnen einzelne Glanzlichter setzen darf.
Dass es hier um einen Aufstand der Kuscheltiere geht, zeigt sich nirgendwo
deutlicher als am Schluss. Da steht zunächst Rio Reisers “Der Traum ist
aus”, pathetisch und melancholisch, kraftvoll und kämpferisch. Wollte
man
aufrütteln - danach könnte nichts mehr kommen. Doch danach kommt Queen,
“The
show must go on”. Das heißt, um es mit den Fußballern zu sagen: Mund
abputzen, weitermachen.
taz
Ein Stück Revolution aus Musik - so lautet der Untertitel der neuen
Produktion aus der Dramatikerwerkstatt der bremer shakespeare company.
Ausgangspunkt ist das Spielzeitthema: „Sturm und Drang“. In diesem
Zusammenhang will die Inszenierung mit bekannten Musikstücken, eingebettet
in kleine Szenen, zum Ausdruck bringen, inwieweit in unserer heutigen
Gesellschaft noch revolutionäres Potential vorhanden ist.
Unter der musikalischen Leitung von Thorsten zum Felde zeigt das 5-köpfige
Schauspielensemble mit Stimme, kleinem Kinderschlagzeug, Klavier, Melodica
und Bass, was es musikalisch zu bieten hat. In der manchmal ungewöhnlichen
Interpretation der Songs aus Rock, Pop, Volksmusik und Klassik, ist das
facettenreich, unterhaltsam und teilweise sehr gelungen.
Sehr witzig sind Tim D. Lee´ s Darbietung von Funny van Dannens
„Schilddrüsenunterfunktion“,
Janina Zamanis vom Gerüst gejammerter Ohrwurm „I believe I can fly“ oder
Markus Seuß` Interpretation des Songs „Du musst ein Handy haben“ der
Gruppe
„Spieltrieb“. Währenddessen zwitschert Svea M. Auerbach immer wieder mal
ein
schönes Volkslied aus dem Kühlschrank heraus.
Das politische Thema des Abends vor allem in den vorgebrachten Musiktexten
zu finden. Anfangs- und Schlusssong geben an diesem unterhaltsamen
Liederabend eine mögliche Antwort: „Let me entertain you“ heißt es zum
Beginn und zuletzt „Show must go on“.
Diabolo
Download
- Pressemedien_Wut_und_Wiege (SIT, 16,53 MB)
- copyright_mariannmenke (PDF, 24,27 KB)
facebook