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2:30 mit Pause

Regie, Bühne: Sebastian Kautz.
Kostüme: Uschi Leinhäuser.

Mit: Frank Auerbach, Svea Auerbach, Gunnar Haberland, Peter Lüchinger, Michael Meyer, Petra-Janina Schultz.

„Geld ist der beste Köder, um nach Menschen zu fischen.“ (Thomas Fuller) – Das Textfragment des Dramas „Timon aus Athen“ zeigt eine degenerierte Gesellschaft, in der einzig das Geld regiert und das gesamte Leben von Krediten - aufgenommenen, gewährten und verweigerten - bestimmt wird.
Man schwelgt in Dekadenz und scheinbarer Sorglosigkeit, bis die große Spekulationsblase platzt. Einer der Leidtragenden ist Timon. Insolvent, von der Gesellschaft verstoßen, sucht er sein Heil fernab der verlogenen Zivilisation in misanthropischer Einsamkeit. Nachdem er, auf der Suche nach Essbarem in der Erde wühlend, einen Goldschatz gefunden hat, nutzt er den plötzlichen Reichtum und beginnt, seinen Hass auf die falschen Freunde in einen gut finanzierten, perfiden Rachefeldzug umzumünzen.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftskrise wird Shakespeares Drama zum verstörenden Spiegelbild unserer heutigen Welt und stellt mittels grotesk überhöhter Theaterbilder die Frage: Gibt es eine Alternative zur alles beherrschenden Gier nach Macht und Reichtum? Und wenn ja, welche?

Trailer


Pressestimmen

“Meine Freunde!”, ruft der kleine, fröhliche Mann im Smoking. Völlig trunken vor Glück breitet er die Arme aus. Timon ist sein Name - und er ist richtig gut drauf. Der Gutverdiener hopst so springlebendig auf dem Tisch herum, als wäre dies ein Trampolin. In der neuen Inszenierung der bremer shakespeare company geht es nämlich beständig auf und ab - und das Leben des reichen Mannes wird zunächst als eine große Sause und später dann als ganz große Luftnummer vorgeführt. Die Geschichte weist dabei frappierende Ähnlichkeiten zur heutigen Finanzkrise auf. Dem Text sind ähnlich existenzielle Grundmelodien eingewebt, wie sie beispielsweise auch im “König Lear” angeschlagen werden: In beiden Fällen steigt die Hauptfigur mit großem Zähneknirschen aus dem Getriebe der Welt aus. Lear will nicht mehr regieren. Timon ist pleite. Shakespeare liebte offenbar Paradoxe solcher Art.
Heute lässt sich wahlweise in diesen Parabeln etwas von absurdem Theater, Warnung vor Grenzüberschreitungen oder grundsätzlicher Systemkritik finden. Von allem etwas bietet die shakespeare company in ihrer neuesten, sehr kurzweiligen Inszenierung. Ähnlichkeiten zur aktuellen Finanzkrise sind dabei höchst geschickt in diese Fassung hineingearbeitet. Sebastian Kautz hat für die company eine herzhafte Inszenierung angefertigt, die einige recht schlüssige Beiträge zur Kritik des Kapitalismus’ liefert.
Selbstverständlich liefert die company so auch diesmal wieder eine locker humorvolle Aufführung, bei der die großen Fragen der Zeit als munteres Satyrspiel beleuchtet werden. Bewundernswert ist bei dem theatralischen Großunternehmen auch die Raffinesse, mit der das Stück auf die sechs zur Verfügung stehenden Spieler aufgeteilt wurde.
Weserkurier


Ein Freund, ein guter Freund: Wenn es aber ums Geld geht, hört die Freundschaft auf. Ein Fakt, den sich Timon (Michael Meyer) nicht hätte träumen lassen. Vor allem im düsteren zweiten Teil der Tragödie glänzt er als vertriebener, fast dem Wahnsinn erlegener Timon, der sich nackt im Dreck suhlt. Dass sich bei ihm rein gar nicht mehr holen lässt, ist sichtbar für jedermann. Dass er plötzlich auf Gold stößt, macht ihn keinesfalls wieder glücklich.
Ensemblemitglied Sebastian Kautz führt bei Shakepeares Tragödie „Timon aus Athen“ Regie und beweist ein Händchen für psychologische Figurenführung. Angesichts der noch herrschenden Weltwirtschaftskrise passt das Stück bestens in unsere Zeit. Und so spart Kautz in seiner Fassung auch nicht mit Kritik: Banker-Boni, Geldgier, Politiker, die sich aus der Verantwortung stehlen oder Wasserwerfer, die gegen Demonstranten eingesetzt werden.
Das Ensemble-Sextett auf der Bühne spielt bravourös das Schmarotzerpack und den geschundenen Timon. Kautz präsentiert dank eingestreuter Liedschnipsel und der bewussten Überzeichnung einiger Figuren einen unterhaltsamen und gleichermaßen nachdenklichen Abend.
Kreiszeitung


Das Stück ist keine Tragödie. Eine Komödie ist es deshalb aber noch lange nicht: Die shakespeare company zeigt das Stück furios als unentrinnbaren Kreislauf der Krisen. Denn die Lösung des Konflikts wird mittels Geld nur verlagert. Die Titelfigur stirbt zwar - aber da ist sie schon out. Ohne ihm zu entrinnen scheidet Timon aus dem Kreislauf der Krisen aus, als er ihn unterbrechen, also vernichten will. Erst ist er reich, verarmt dann, gefällt sich im Selbstmitleid, das Michael Meyer als radikalen Regress ins Naturhafte mitreißend auslebt. Das hat etwas von Holzhammer. Aber ein Holzhammer ist ein höchst effektives Werkzeug, wenn’s darum geht, den Nagel auf den Kopf zu treffen. Und daneben gehauen wird selten.
Eine mutige Stückwahl, eine mutige Aufführung, ein furioser Abend. Denn aus diesem Timon spricht, fast greifbar, eine ungeahnte Wut.
taz


Michael Meyer spielt hingebungsvoll den naiven Timon, der seine Gäste trotz aller Warnungen reich beschenkt und damit nicht nur bankrott geht, sondern auch in eine tiefe Krise stürzt. Timons Fall hätte überall passieren können. Die Inszenierung ist rasant und mit Klamauk angereichert. Dennoch lässt es sich Regisseur Kautz nicht nehmen, den moralischen Zeigefinger zu erheben und auf mehr Eigenverantwortung für das Gemeinwohl zu plädieren.
Bremer Anzeiger


Die bremer shakespeare company liefert ein Stück, das berührt, erheitert, vor allem jedoch durch seine Zeitlosigkeit besticht. Zwei Stunden vergehen wie im Flug, weil Sebastian Kautz’ Inszenierung mit fantastischen Bildern arbeitet. Ein kurzweiliges, tiefsinniges Stück, das der allumgreifenden Krise ein Gesicht gibt.
Das Publikum honorierte es mit langem Applaus.
Weser-Report


Audiobeitrag zu “Timon aus Athen”:
Radio Bremen, Nordwestradio Journal | Nordwestradio


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