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Herzzeit beleuchtet in eindringlicher Tiefe die Beziehung der Dichter:innen Ingeborg Bachmann und Paul Celan. In einer Zeit, die von den Schatten des NS-Regimes gezeichnet ist, finden sie sich in Wien. Der Zweite Weltkrieg traumatisierte beide: Bachmanns Vater war Offizier der Österreichischen Armee, während Celans Eltern in einem Konzentrationslager ums Leben kamen – er selbst entging nur knapp einem Massentransport. Trotz ihrer konträren Hintergründe vereint sie eines: ihre besondere Beziehung zur Sprache, die sie sowohl in ihrem persönlichen Briefaustausch als auch in ihren Werken demonstrieren. Durch die Kunst des Wortes können sie einander finden und verlieren, verletzen und heilen. In ihren Korrespondenzen offenbart sich eine breite Palette an Emotionen von Hoffnung und Verzweiflung, Liebe und Freundschaft, Distanz und Nähe. Gleichzeitig enthüllen sie ihre innere Zerrissenheit, die zwischen den Fantasien ihrer Sehnsüchte und der nüchternen Realität existiert.

Die Aufführung beleuchtet Briefe, Gedichte und Texte beider literarischer Größen, die ihre Gedanken- und Gefühlswelt repräsentieren. Herzzeit bringt den einzigartigen Dialog zwischen den bedeutenden Dichter:innen auf die Bühne. Ein intimer Einblick, der dem Publikum die Möglichkeit bietet, die Komplexität ihrer Beziehung in einer bewegenden Inszenierung zu erleben.

Vorrede zur Inszenierung

Da zirp ich leise, wie es Heimchen tun. oder zur Literatur der Bukowina
Auf Einladung der Bremer globale° hält der Berliner Autor Oskar Ansull einen kurzen Vortrag zur Literatur der Bukowina, heute Ukraine. Eine Vorrede zur darauffolgenden Inszenierung des Brünner Theaters »Na provazku«, die auf der Korrespondenz zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan basiert. Die Bukowina, eine vergessene Landschaft, in Gedichten und Erzählungen nur noch eine schwebende, in einem Netz aus Fäden ins Nichts (Rose Ausländer) ausgespannte Erinnerungslandschaft. Es war das kleinste und multi-nationalste Kronland der k.& k. Monarchie. Czernowitz war bis 1918 die Hauptstadt der zumeist multi-ethnischen Czernowitzer, die Ukrainisch, Rumänisch, Polnisch, Ungarisch, Deutsch und Jiddisch verstanden. Oskar Ansull wird in wenigen, aber kräftigen Strichen, die Literatur dieser Region in einem lebendigen Vortrag vergegenwärtigen und einstimmen auf die Theateraufführung. Er hat mit seinem Lesebuch „ZweiGeist“ (2005) zu Leben und Werk des in Czernowitz aufgewachsenen Karl Emil Franzos (1848-1904) bereits auf einen wichtigen Autor hingewiesen und in weiteren Publikationen und zahlreichen Lesungen Literatur der Bukowina (auch in Bremen und im Radio Bremen) vorgestellt.