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In der SATZWENDE liest l’Horizon aus dem Roman »Blutbuch« und zum Thema #ZUKUNFT.

Die Erzählfigur in Blutbuch identifiziert sich weder als Mann noch als Frau. Aufgewachsen in einem Schweizer Vorort, ist sie den engen Strukturen der Herkunft entkommen und fühlt sich im nonbinären Körper und der eigenen Sexualität wohl. Doch dann erkrankt die Großmutter an Demenz - eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit beginnt: Warum sind da nur bruchstückhafte Erinnerungen an die eigene Kindheit? Wieso kann sich die Großmutter kaum von ihrer früh verstorbenen Schwester abgrenzen? Was geschah mit der Großtante, die als junge Frau verschwand? Die Erzählfigur stemmt sich gegen die Schweigekultur der Mütter und forscht nach der nicht tradierten weiblichen Blutslinie. Dieser Roman ist ein Befreiungsakt von den Dingen, die wir ungefragt weitertragen: Geschlechter, Traumata, Klassenzugehörigkeiten.

Kim de l’Horizon studiert nach einem Bachelor in Germanistik, Film- und Theaterwissenschaften in Zürich sowie Literarischem Schreiben in Biel nun den Masterstudiengang Transdisziplinarität an der Züricher Hochschule der Künste. In der Spielzeit 2021/22 ist de l’Horizon Hausautor:in am Stadttheater Bern im Förderprogramm Stücklabor. De l’Horizon wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Dramatiker:innenförderpreis Dramenprozessor 2020 und einen Kurzfilmwettbewerb der HAZ. Sein Debüt »Blutbuch« wurde mit dem Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung ausgezeichnet und erhielt den Deutschen Buchpreis 2022.