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Zum Stück

Spätestens seit der Verleihung des Literatur-Nobelpreises an Bob Dylan, ist der breiteren Öffentlichkeit klar, dass die Dichtung dieses Song-Poeten weit über erwartbare Singer-Songwriter-Verse hinausgeht. Die Literaturwissenschaft fahndet akribisch nach literarischen Verweisen und Präzedenzen, um sein Werk zu entschlüsseln. Dabei trifft sie immer wieder auf William Shakespeare, der ein Fixstern in Bob Dylans poetischem Referenzuniversum ist. Beide Künstlerpersönlichkeiten sind große Unbekannte, doch scheint sie etwas zu verbinden, was für Nichtkünstler schwer zu fassen und noch weniger zu erklären ist: Kreativität!

Eine schräge musikalische, verbale Reise durch das Generieren von Kreativität. Wie und woher stammt sie? Wenn sie uns alle auf eine jeweils einzigartige, individuelle Art berühren kann, muss dann nicht doch etwas Kollektives, etwas Universelles, darin stecken? Wer war William? Und warum findet sich bei William so viel von Bob und von Bob alles, was die Vorgänger von William auch schon gesagt hatten, nur in anderen Worten. Ist das das Werk eines einzelnen Genies? Oder doch ein kongeniales Zusammenwirken von Zufällen, Einfällen, Gruppen, Freunden und mysteriösen Elementen des Universums?

Die Nobelpreisvergabe 2016 bildet die Rahmenhandlung: innerhalb der zwei Wochen Rückmeldungsfrist, die Bob Dylan hat, um den Preis anzunehmen und eine eigene Lecture zu halten, spielt sich das Stück ab. Verschiedene Seiten von Bob Dylans Werk werden auf der Bühne gleichzeitig zueinander ins Verhältnis gesetzt. Unterstützt und beobachtet wird alles von William Shakespeare. Shakespeare selber gibt sich aber nicht zu erkennen, und so erleben wir ihn als Manager von Bob Dylan, als Musikproduzenten Daniel Lanois und als Kritiker Bob Dylans im Nobelpreiskomitee. Warum hat Dylan sich, nachdem ihm der Preis zuerkannt wurde, so lange nicht zurückgemeldet? Was macht ein Preis mit einem Künstler und seinem Schaffen? Dylans lebenslange verweigernde Haltung den Anforderungen gegenüber, die seine Umwelt an ihn stellt, wohnt ein Zauber inne. Diesen ergründet der Abend in „Call me, Bob Dylan… please!“.